Der Dalmatiner

 

 

Rassestandard

FCI – Standard Nr. 153 / 30.05.2011 / DALMATINER (Dalmatinski pas)
Ursprung: Kroatien
Verwendung: Jagdhund, Gesellschaftshund, Familienhund und für verschiedene Zwecke geeignet.
Klassifikation FCI: Gruppe 6 Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen.
Sektion 3 Verwandte Rassen. Ohne Arbeitsprüfung. 

HUA-LUA- Die Sache mit den Punkten. 
 

Dalmatiner sind tolle Hunde. Wer gern joggen oder laufen geht, oder Hundesport treibt, hat den besten Begleiter, den er sich vorstellen kann.
Gesundheitlich sind sie grundsätzlich robust ( das war zur Zeit des "Dalmatinerbooms" nach dem Disneyfilm mal anders), aber ein normaler Dalmatiner hat ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Harnsteinen/ Harngrieß. Warum ist das so?

Über lange Zeit wurde, vermutlich durch die Selektion auf schön randscharfe Fleckung, bei Dalmatinern ein mutiertes Gen weiterverbreitet  (SCL2A9), das dazu geführt hat, dass der normale Dalmatiner als Stoffwechselendprodukt der Eiweiß-Verdauung Harnsäure statt Allantoin ausscheidet (Hyperurikosurie). Das ist anders als bei anderen Hunden, aber interessanterweise vergleichbar mit  Menschen und Menschenaffen.


Andere Hunde bilden auch Harnsäure, wandeln diese dann aber um in einen wasserlöslichen Stoff, der über den Urin einfach ausgeschieden wird. Der normale Dalmatiner hingegen bildet nur Harnsäure, die kaum wasserlöslich ist und darum schwieriger loszuwerden.
 
Der normale Dalmatiner kann (nicht muss) daher Harn-, Blasen- oder Nierensteine entwickeln. Er wird daher manchmal als „HUA-Dalmatiner“ (High Uric Acid = HUA) bezeichnet.
 

Jeder Dalmatinerbesitzer sollte diese Besonderheit kennen und ihr insbesondere durch angepasste Fütterung und reichliches Wasserangebot entsprechen. Wichtig ist insbesondere darauf zu achten, dass das Futter des Dalmatiners nicht übermäßig viel Purin enthält, da Purin zu Harnsäure abgebaut wird.  
Weitere Infos zum Thema Ernährung auf den Dalmatinerseiten.de


 

LUA- Das Backcrossprojekt


Die Anfälligkeit für Harnsteine besteht nicht bei den sogenannten "LUA-Dalmatinern". 
Ein visionärer amerikanischer Züchter und Genetiker, Dr. Robert Schaible, wollte frühzeitig das Problem auf genetischem Weg wieder beheben: Er verpaarte 1973 in den USA eine Dalmatinerhündin mit einem kurzhaarigen Pointer- Jagdhund, der das normale Gen besaß und Dalmatinern vom Körperbau sehr ähnlich sah. Nach einigen Generationen sahen die Ururenkel, die das korrekte Gen geerbt hatten, wieder so aus, wie richtige Dalmatiner- mit einem kleinen Unterschied: Diese sogenannten „LUA“-Dalmatiner (LUA= low uric acid) waren an etwas unschärfer gezeichneten Punkten mit weißem, stichelhaarigen Rand erkennbar.
 

Dr. Schaible stieß auf großen Widerstand in amerikanischen Dalmatinerzüchterkreisen, und wurde tragischerweise massiv angefeindet. Es dauerte bis 2011,  Schaible erlebte es selbst nicht mehr, bis die Nachkommen seiner Zucht endlich im Register des AKC als „richtige“ Dalmatiner FCI- zugelassen und eingetragen wurden. 
Heute ist ein LUA-Dalmatiner ein "richtiger" Dalmatiner mit Ahnentafel, Zuchtrecht und allem drum und dran. 
In Deutschland wurde der erste LUA-Hund 2012 aus den USA von der Züchterin Melissa Glasner importiert. Eine weitere, alternative LUA-Linie aus Kanada, aus der unsere Zuchthündin stammt, haben die Züchter von Bacardi Feeling in Deutschland eingeführt.
 
Unsere Hündin ist ein LUA-Hund und wir unterstützen das LUA-Projekt, da unserer Ansicht nach Gesundheit Vorrang vor allem anderen haben muss. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass, eine Medaille immer zwei Seiten hat: 

LUA-Dalmatinern wird, aufgrund des einen jagdhundlichen Ahns von vor ca 25 Generationen ein ausgeprägterer Jagdinstinkt nachgesagt, als normalen HUA-Dalmatinern. Wir können dies nur teilweise bestätigen, da unser LUA-Dalmatiner über relativ wenig, sehr gut handelbaren Jagdinstinkt verfügt. Ausgeschlossen ist jedoch nicht, dass bei einzelnen LUA-Tieren aufgrund Genetik mehr Jagdinstinkt zum Vorschein kommt. 

Was man ebenfalls nicht vergessen darf, ist, dass der eingesetzte Pointer einen genetischen Flaschenhals darstellt: Alle LUA-Dalmatiner stammen von einem einzigen Pointer ab. Es wäre daher unserer Meinung nach derzeit verfehlt, nur reinerbige LUA-Verpaarungen durchzuführen, da sonst möglicherweise eine neue Inzuchtproblematik zum Tragen kommen kann. In einigen Generation kann das möglicherweise irgendwann anders aussehen.

 

Weitere Detailinfos zum LUA-Backcrossprojekt finden sich unter https://ckcusa.com/blog/2019/november/the-dalmatian-back-cross-project/ ( auf Englisch)


Taubheit

Dalmatinerwelpen können einseitig oder beidseitig taub zur Welt kommen. Man weiß, dass das Vorkommen von Taubheit bei Hunden im Allgemeinen, nicht nur bei Dalmatinern, mit dem Weißanteil im Fell zusammenhängt; besonders der Weißanteil im Kopfbereich ist hierfür bedeutsam. 
Die Taubheit ist angeboren, also keine Krankheit, die sich erst im Laufe der Zeit entwickelt.  Wenn man einen hörenden Welpen bekommt, kann man also sicher sein, dass dies auch sein ganzes Leben lang so bleibt. 

Die AEP-Untersuchung ( BAER)
Alle Züchter im VDH müssen verpflichtend bei Welpen ab der 7. Woche  eine Gehöruntersuchung, die sogenannte AEP ( bzw. BAER auf Englisch) durchführen lassen, um einseitig taube Tiere zu finden und aus der Zucht ausschließen zu können. Ein einseitig tauber Hund ist im Alltagsleben jedoch nicht beeinträchtigt. 
 
Plattenzuchtprogramme

Darüber hinaus haben die großen Zuchtvereine in Deutschland (DZGD und CDF) sogenannte „Plattenzuchtprogramme“ initiiert, bei denen gezielt Hunde eingesetzt werden, die über „Platten“ ( farbintensive Areale, die bereits bei der Geburt vorhanden sind) im Kopf/Ohrbereich verfügen, um die Quote tauber Welpen zu senken. 
Wir nehmen mit unserer Hündin  am Plattenzucht-Programm des CDF teil und hoffen, dass wir damit einen kleinen Teil dazu beitragen können, langfristig die Dalmatiner- Taubheitsquote zu verringern.
 

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